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Transkript zu Episode 5: „Der Umgang mit Medien ist genauso wichtig zu lernen wie Lesen, Schreiben und Mathematik.“

KiKA-Redakteurin und Medienpädagogin Anne Reichenbach spricht mit Inka Kiwit über die medienpädagogischen Angebote von KiKA. Dabei geht es um die Fragen, warum die Vermittlung von Medienkompetenz so wichtig ist, wie KiKA Kinder für die Medienwelt fit macht und welche Herausforderungen es zu beachten gilt.

[Intro] Triff KiKA - Werkstattgespräche


Inka Kiwit: Hallo und Herzlich Willkommen aus der KiKA-Werkstatt. Bei uns begegnen sie Menschen, die für die Angebote bei KiKA verantwortlich sind und sie gestalten. Ich bin Inka Kiwit, die Redakteurin und Podcast-Moderatorin. Wie schön, dass sie heute mit dabei sind. In dieser Folge dreht sich alles um Medienkompetenz.

Ein kleines Zitat: „Die digitale Welt mit Spaß entdecken, Medien kreativ nutzen, aber dabei auch deren Wirkung kritisch bewerten – sich souverän und sicher in der Medienwelt bewegen zu können, das ist eine Schlüsselkompetenz.“ Genauso hat es unsere Programmgeschäftsführerin Dr. Astrid Plenk passend auf den Punkt gebracht.

Diese Schlüsselkompetenz, die fördern wie bei KiKA nicht nur, sondern wir bieten auch sichere Experimentierräume. Wir sind als KiKA ein medienpädagogisches Angebot an sich, wie genau wir das umsetzen und wie wir Kinder dabei begleiten, zu souveränen Akteur*innen in der Medienwelt zu werden, darauf hat eine Person Antworten, nämlich Anne Reichenbach. Sie ist Medienpädagogin und Redakteurin beim Medienformat „Team Timster“ bei KiKA. Mit ihr habe ich lange gesprochen. Also rein ins KiKA-Werkstattgespräch.

Inka Kiwit: Hallo Anne, schön, dass du heute da bist.

Anne Reichenbach:
Hallo Inka.

Inka Kiwit: Wir sind ja beide aus der „Team Timster“-Redaktion. Das ist quasi die ideale Grundlage für ein Werkstattgespräch. „Team Timster“, das ist unser Medienformat für die Acht- bis Elfjährigen bei KiKA, über das wir gleich definitiv noch sprechen werden. Wir steigen aber jetzt mit dem Grundthema dieser Folge ein, der Medienkompetenz. Anne, wenn es einen magischen Zaubertrank für die perfekte Medienkompetenz gäbe, welche Zutaten müssten unbedingt rein und warum?

Anne Reichenbach: Also als erstes natürlich Medienwissen, dann die Mediennutzung, Medienkritik und Mediengestaltung. Viele, die sich mit dem Thema Medienkompetenzvermittlung beschäftigen, werden diese vier Begriffe kennen. Die sind nämlich die Grundlage der Medienkompetenzvermittlung und gehen auf Dieter Baacke zurück. Und das sind tatsächlich auch meine Zutaten.

Beim Medienwissen geht es darum, dass Kinder und Jugendliche lernen müssen, wie denn alles so funktioniert. Also wie schalte ich welches Gerät ein? Wie stelle ich meine Handy-Einstellungen richtig ein? Aber auch wie funktioniert eigentlich unser Mediensystem zum Beispiel in Deutschland? Also Stichwort duales Rundfunksystem.

Bei der Mediennutzung geht es nicht nur um die reine Rezeption von Angeboten, die mir vorgesetzt werden, sondern es geht vor allen Dingen auch darum, aktiv Entscheidungen zu treffen. Also was möchte ich denn rezipieren und warum?

Und Medienkritik - klar einer der wichtigsten Zutaten. Da geht es darum, dass Kinder und Jugendliche nicht alles einfach hinnehmen, sondern Dinge auch kritisch hinterfragen, lernen, mit Quellen umzugehen und ihr Wissen auch anwenden, was sie schon erlangt haben.

Und bei der Mediengestaltung, das ist vor allen Dingen, die Partizipationsmöglichkeiten nutzen. Also, ich kann mit den Fähigkeiten, die ich mir angeeignet habe, eigene Produkte auch gestalten. Also sei es kleine Videos, sei es schöne Fotos. Und wenn ich all diese vier Aspekte zusammenpacke, kommt wahrscheinlich das beste mediale Gericht draus, was wir uns vorstellen können. Und zwar, dass Kinder Medien altersgemäß, selbstbestimmt und verantwortungsvoll nutzen können

Inka Kiwit: Also quasi kein Zaubertrank, sondern tatsächlich ein handfestes Rezept für Medienkompetenz?

Anne Reichenbach: Absolut ja, total.

Inka Kiwit: Das finde ich gut. Ich habe in der Anmoderation einen Begriff verwendet, den ich gerne mit dir gemeinsamen mit Leben füllen, über den ich gern mit dir sprechen würde – nämlich die Experimentierräume. Wieso sind wir als KiKA ein großer Experimentierraum für Kinder? Und was hat das mit Medienkompetenz zu tun?

Anne Reichenbach: Das Wichtigste ist erstmal, dass wir viele Räume füllen. Das heißt, wir haben unsere linearen Angebote im TV und haben aber genauso gleichberechtigt unsere Online-Angebote. Das heißt, wir sind da, wo die Kinder sind. Und wir bieten den Kindern einen ganz sicheren Raum. Das heißt, wenn sie unsere mediale Welt betreten, können sie die selbständig erforschen und ausprobieren. Und das können sie schon als Medienanfänger*innen machen. Das heißt, für die Kleinsten ab drei Jahren gibt es zum Beispiel schon unsere KiKANiNCHEN-Welt, die gibt es nicht nur im TV, die gibt es auch auf unseren Internetseiten, und die gibt es sogar auch als App. Und damit geben wir natürlich den Kindern das Vertrauen und den Raum zu sagen: Okay, ihr seid bei uns, hier seid ihr sicher, hier passiert sozusagen nichts. Und hier könnt ihr eure ersten digitalen Schritte machen.

Inka Kiwit: Also wirklich ein Safe Space, kann man so sagen.

Anne Reichenbach: Absoluter Safe Space. Also das ist ja auch unser großer Anspruch, dass sie mit uns einen Partner an der Hand haben, der ihnen die Möglichkeit gibt, sich tatsächlich auszuprobieren. Ohne, dass wer von außen reinkommen kann. Natürlich gibt es bei uns auch Sonderprogrammierungen. Das heißt, unser TV-Programm bietet dann zum Beispiel Dokumentationsstrecken an, wie „stark!“ oder „Schau in meine Welt!“, die sich mit ganz bestimmten Inhalten beschäftigen. Neulich hatten wir zum Beispiel das Thema Scheidung. Das ist leider ein Thema, was sehr viele Kinder betrifft. Und dann gab es im TV die Doku dazu und online wurde parallel ein Chat angeboten. Und dieser Chat, da arbeiten wir auch nicht allein - weil wir auch sagen, es gibt einfach Gebiete, da ist unsere Expertise irgendwann auch erschöpft - sondern da arbeiten wir mit den Kolleginnen und Kollegen der Diakonie zusammen. Das heißt im Chat sind dann tatsächlich ausgebildete Ansprechpartner*innen, an die die Kinder sich mit ihren Problemen wenden können. Wo sie genau sagen können, in meiner Familie passiert gerade das und das und da auch zu lernen, was gibt es dann für weitere Angebote? Wo können sich Kinder im Netz tatsächlich hinwenden, wo auch wirklich Expertinnen und Experten für ihre Anliegen da sind. Das ist auch bei KiKA extrem wichtig.

Inka Kiwit: Und würdest du sagen, wenn ich mich jetzt ganz früh online ausprobiere, sehr früh online bin bei KiKA, in unserem Experimentierraum, in unseren Angeboten, bin ich dann fürs Leben gewappnet? Bereitet mich KiKA für mein Online-Verhalten im späteren Leben vor?

Anne Reichenbach: Das glaube ich auf jeden Fall. Also, du hast es schon gesagt, es ist ganz wichtig, dass man sich in so einem Safe Space befindet. Weil auch in so einem Safe Space, da passiert - es ist halt okay, wenn ich mich mal verklicke, dann bin ich trotzdem noch in diesem sicheren Raum. Das heißt, diese kleinen Fehler, die wir alle gemacht haben, die uns auch als Erwachsenen immer noch passieren, die können Kinder bei uns tätigen, ohne dass sie gleich irgendein Problem, ein schwerwiegendes Problem an der Backe haben. Und das ist genau das Anliegen, was wir mit unserem Medienmagazin verfolgen.

Wir beschäftigen uns mit so vielen Bereichen. Da geht ja es nicht nur um Spiele oder so, was Kindern natürlich auch Spaß macht. Aber da geht es natürlich auch um die Nutzung von Apps, von Internetseiten, auch die Nutzung von sozialen Medien, weil - sind wir ehrlich - da sind die Kids auch, und deswegen schauen wir uns halt an, dass wir den Kindern gute Angebote zeigen können. Aber eins muss ich da noch ergänzen. Das funktioniert natürlich nicht nur mit uns allein. Wir brauchen definitiv die Unterstützung der Eltern. Wir brauchen Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen. Nur so schaffen wir das dann gemeinsam, die Kids für die Zukunft da noch fit zu machen.

Inka Kiwit: Anne, ich mag ja unsere spielerischen und medienpädagogischen Angebote auf kika.de sehr gerne. Wie fördern wir denn mit diesen kleinen Spielen aktiv die Medienkompetenz bei Kindern? Vielleicht kannst du ein paar Beispiele nennen, dass wir ein Bild davon bekommen.

Anne Reichenbach: Also erstmal geht es ja darum, dass zur Medienkompetenzvermittlung auf die Mediennutzung gehört. Und das heißt, bei uns können sie natürlich auch mal Spaß haben. Spaß gehört genauso dazu. Wenn ich an einem Ort bin, wo ich Spaß habe, dann geht es mir natürlich grundsätzlich erstmal gut. Wir haben diverse Angebote zum Beispiel für unser Geschichtsmagazin, unsere Geschichtssendung, „Triff...“. Da komme ich über die Spiele auch mit den historischen Figuren in Berührung und dann interessiere ich mich auch für die Geschichte. Also was macht denn diese Person? Warum wird der denn ausgerechnet ein Spiel gewidmet? Die muss schon etwas ziemlich Cooles gemacht haben.

Dann wurde jetzt - und das wird, glaube ich, noch ein sehr spannendes Projekt - ein Chatbot entwickelt, der Bernd-Bot, und was da total cool ist, ist einfach: Wir haben ja den Kinderredaktionsrat. Das ist ein Projekt, das lief dieses Jahr zum zweiten Mal. Es konnten sich Kinder aus ganz Deutschland bewerben und wurden Teil des Senders. Also die konnten richtig mitentscheiden, wie welches Programm gesendet wurde, wie soll bei KiKA mit Give Aways zum Beispiel umgangen werden? Oder auch wie kann sich KiKA digital cool aufstellen? Und die haben dann mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen diesen Chatbot entwickelt.

Inka Kiwit: Was kann der zum jetzigen Zeitpunkt?

Anne Reichenbach: Sind wir ehrlich, so viel kann er noch nicht. Er ist gerade noch in der Beta-Phase, aber er kann zum Beispiel schon beantworten, warum Bernd so große Füße hat. Die grundlegenden Fragen, die Kinder Bernd auch stellen würden. Und er wird natürlich stetig weiterentwickelt.

Inka Kiwit: Wir haben ja noch etwas Besonderes entwickelt im „Team Timster“. Und das finde ich auch wirklich schön, wenn es um Spiele oder interaktive Angebote bei uns geht. Ich glaube, wir können das schon verraten.

Anne Reichenbach: Danke für diese Rampe, ich bin wirklich auch sehr aufgeregt. Das wird ein neues Spiel auf den „Team Timster“-Seiten geben. Das Spiel heißt „Passwort-Suche“. Und die Geschichte ist: Unsere Handpuppe, die Wuschelpuppe „Das kleine Mädchen“ hat ihr Passwort verloren. Das ist ein bisschen blöd. Wir müssen ihr helfen, das wiederzufinden. Und natürlich ist das Passwort nicht 1234, obwohl man das dem kleinen Mädchen durchaus zutrauen würde. Nein, also mit diesem Passwort wird auch den Kindern gleich klargemacht: Passwort, da wäre es vielleicht ganz gut, Großbuchstaben, Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen zu verwenden. Das geben wir ganz subtil mit über ein spielerisches Element. Und da freue ich mich natürlich sehr drauf. Wir sind gerade aber noch in der Entwicklungsphase.

Inka Kiwit: Wir können also noch nicht sagen, wann dieses Spiel spielbar ist.

Anne Reichenbach: Ich bin sehr, sehr zuversichtlich, dass das im Frühjahr 24 auf alle Fälle auf den Seiten zu finden sein wird.

Inka Kiwit: Ja, das ist doch gut. Anne, wir arbeiten ja nicht ganz allein an Medienkompetenzvermittlung bei KiKA, sondern wir haben ein ziemlich starkes Netzwerk in der ARD und dem ZDF und viele, viele Expertinnen und Experten, mit denen wir uns oft zu Medienkompetenz austauschen. Ich denke da an „so geht MEDIEN“, und das sind noch ganz, ganz viele andere dabei.

Anne Reichenbach: Absolut „so geht MEDIEN“ ist zum Beispiel ein sehr gutes Beispiel. „Team Timster“ und „so geht MEDIEN“ hatten jetzt erst eine Kooperation. Und zwar, ich hatte ja vorhin schon erwähnt, dass wir Medienkompetenzvermittlung bei Kindern nicht als KiKA allein schaffen, sondern dass wir zum Beispiel auch Pädagoginnen und Pädagogen brauchen. Und so haben wir in Kooperation mit „so geht MEDIEN“ Grundschul-Schulstunden entwickelt. Wir haben das Videomaterial dazu geliefert und mit unseren Moderator*innen Tim und Soraya, die zum Beispiel zeigen, wie man Fake News erkennt oder wie man so richtig Hands-on mäßig Trickfilme selbst macht. Und „so geht MEDIEN“ hat dann das Schulmaterial dazu entwickelt - also Arbeitsblätter und Handlungsabläufe für Pädagog*innen. Und diese können auf den Seiten einfach abgerufen werden. So kommt natürlich Medienkompetenzvermittlung auch in die Schulen.

Eines meiner Lieblingsprojekte - das liegt vielleicht auch daran, dass sich das schon seit ein paar Jahren betreue - ist auf alle Fälle auch der TOMMI. Der TOMMI ist der Kindersoftwarepreis in Deutschland und den gibt es schon ganz lang. Und da testen Kinder Spiele, Apps und elektronisches Spielzeug. Im Bereich Film haben wir auch viele Partner*nnen, wir sind beim „Goldenen Spatz“ mit drin, beim „Schlingel“, beim „Prix Jeunesse“, und beim „Kindertiger“, dem Drehbuchpreis für tolle Kinderfilme. Da sind wir überall mit dabei. Und natürlich erweitern wir als „Team Timster“ da auch immer wieder unseren Horizont. Wenn du dauerhaft im Austausch bist mit Expert*innen - weil wir geben immer den Überblick, aber die Expert*nnen lassen uns halt in ihre Fachbereiche reinschauen. Und dadurch können wir auch sagen: Okay, cooles Thema, das wollen wir an unsere Zuschauer*innen weitergeben.

Inka Kiwit: Anne, gab es denn besondere Herausforderungen in der Medienkompetenzvermittlung bei KiKA in den letzten Jahren? Was war eher schwierig?

Anne Reichenbach:
Ja, schwierig ist natürlich zum einen die rasante Entwicklung der medialen Angebote. Auch wir müssen die Masse überblicken. Wie sollen wir Orientierungsgeber sein? Da sind wir natürlich immer dran, da alles im Blick zu haben. Und auch die Entwicklung der sozialen Medien. Also wir wissen, dass unsere Zuschauer*innen sich auf Plattformen tummeln, auf denen sie vom Gesetz her noch gar nicht sein dürfen. Ja, dieser Übergang, heute bin ich noch zwölf und dann mache ich noch so Kinderspiele. Und ach ja, morgen werde ich 13 – cool, da fange ich mal an mit Snapchat, TikTok oder Instagram. Das ist natürlich definitiv nicht so, die sind vorher schon dort. Und das ist für uns der Spagat: Wir wissen, dass sie dort sind, und wir möchten ihnen helfen, dort eine gute Zeit zu haben, sich dort wohlzufühlen. Aber wir wollen sie auch nicht dorthin treiben. Und da ist wieder unsere Aufgabe, den kritischen Blick der Kinder auch zu schärfen. Muss ich jetzt bei jeder Challenge mitmachen? Muss ich wirklich mein Gesicht dort zeigen? Oder bin ich eher die Landschaftsfotografin und zeig tolle Bilder, die ich geschossen habe, weil ich so stolz auf meine Fotos bin. Und das probieren wir bei „Team Timster“ immer mit der Prise Humor und vor allen Dingen mit keinem erhobenen Zeigefinger.

Inka Kiwit: Inwiefern fließt denn das Feedback und die Fragen der Kinder in die Entwicklung neuer Formate oder sogar bestehender mit ein? Wir haben vorhin schon mal ganz kurz drüber gesprochen. Aber warum ist denn gerade diese Beteiligung auch so wichtig für die Medienkompetenzvermittlung, wenn wir Kinder aktiv mit einbeziehen?

Anne Reichenbach: Das ist vor allem wichtig, weil wir dann genau wissen, wo liegen die Interessen der Kinder? Was sind die Bedürfnisse der Kinder, was denn vielleicht auch die Nöte und Ängste der Kinder? Nur dann können wir auch konkret darauf Antworten. Bei „Team Timster“ sammeln wie dauerhaft Fragen von Kindern. Also, die haben jederzeit die Möglichkeit, uns mit ihren medialen Fragen zu kontaktieren. Da kommen auch mal andere. Dann verweisen wir sie natürlich an die richtigen Stellen im Sender. Und diese Fragen gestalten tatsächlich aktiv den Inhalt unserer Sendung. Also in unseren Sitzungen besprechen wir, welche Fragen wir wie gut und tief beantworten können. Und dann sind die Teil der Sendung. Wir treten auch noch einmal mit den Kindern in Kontakt, indem wir Rückfragen stellen. Wie hast du das dann genau gemeint? Weil wir passgenau antworten wollen. Das Gleiche gilt für Feedback-Klassen. Wir fragen öfter Klassen, schaut euch doch mal eine Folge an. Wir wollen natürlich, dass wir die Inhalte so gestalten, dass unsere Zielgruppe die auch gut findet. Und der letzte Teil, der bei uns wichtig ist, ist immer die Auswertung der Medienforschung. Also wir schauen uns natürlich aktuelle Studien an. Wir schauen uns an, welche Produkte die Kinder nutzen, auf welchen Plattformen sie sich befinden. Und dadurch entwickeln wir unser Programm auch immer weiter. Und manchmal entstehen auch komplett neue Formate auf bestimmten Plattformen daraus.

Inka Kiwit: Weil du gerade das Einsenden der Fragen bei uns bei „Team Timster“ erwähnt hast. Ich glaube, hier ist noch einmal wichtig zu nennen, dass man seine E-Mail-Adresse nicht eintragen muss. Das ist freiwillig und wir löschen die dann auch wieder.

Anne Reichenbach: Das ist richtig, Datenschutz steht bei uns ganz weit oben. Also wir haben auch Richtlinien - dass wenn eine Frage verwendet wird, dann werden die Daten drei Monate nachher gelöscht. Wenn wir sie nicht verwenden, dann bereits nach sechs Wochen. Ich muss aber auch ehrlich hinzufügen, für uns ist ein Rückkanal manchmal sehr hilfreich, weil wir dann halt wirklich Nachfragen stellen können.

Inka Kiwit: Und die Zuschauenden freuen sich ja auch, das sehen wir ja auch immer wieder, dass das nicht ins Leere läuft.

Anne Reichenbach: Ja, weil sie halt auch ernst genommen werden. Also das ist ja bei uns das Allerwichtigste, dass wir die Kinder ernst nehmen.

Inka Kiwit: Ich freue mich immer, wenn wir so ein paar Hands-on Tipps in diesem Podcast-Folgen haben. Wie können Eltern und Lehrkräfte die Angebote von KiKA nutzen, weil sie die Medienkompetenz ihrer Kinder oder halt der Schüler und Schülerinnen stärken wollen? Hast du da Tipps?

Anne Reichenbach: Ja, auf jeden Fall also. Was wir zum Beispiel per se jetzt nicht für Lehrkräfte anbieten, aber natürlich immer im Hinterkopf haben, die Kinderfragen, die wir in unseren „Team Timster“-Folgen beantworten. Die sind alle als kleine Clips bei uns auf den Seiten. Dann haben wir natürlich unsere Elternseiten. Da gibt es auch immer wieder Angebote, was man vor allem auch mit Kindern schauen kann. Also dort sind unsere ganzen Sendungen auch noch mal nach Altersgruppen sortiert, dass ich wirklich weiß „Okay, für mein Kind ist die Sendung gerade genau richtig“. Die Sendungen werden beschrieben, ich kann mir auch Filmchen schonmal anschauen und krieg so ein Gefühl, was ist denn für mein Kind eigentlich geeignet?

Dann können sich Lehrkräfte bei uns auch melden, zum Beispiel zu einem Besuchstag. Wir haben sehr oft Kindergruppen bei uns im Haus und gerade für Grundschüler*innen gibt es den Trickfilm-Tag. Da zeigen wir natürlich auch den „Team Timster“-Clip, der in Zusammenarbeit mit „so geht MEDIEN“ entstanden ist. Und da sehen die Kinder „Wie mache ich eigentlich selbst einen Trickfilm?“ Sie merken, „Das ist gar nicht so schwer“ und ich bin mir sehr sicher, dass viele nach Hause gehen und sagen „Mama, Papa, guck mal, ich zeige euch mal, wie ein Trickfilm geht“.

Inka Kiwit: Ich würde ganz gerne noch eine zweite Expertin in dieser Folge zu Wort kommen lassen. Und zwar Dr. Maya Götz. Dr. Maya Götz ist die Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen, kurz IZI, und des Prix Jeunesse international in München. Mit ihr habe ich im Vorfeld über ein spannendes Thema gesprochen, nämlich was Eltern sich in Deutschland von uns als Kindermedienanbieter wünschen und was ihnen besonders wichtig in Bezug auf Medien ist. Und dazu hat Dr. Maya Götz Antworten aus ihrer Studie für uns.


Dr. Maya Götz: Was Eltern ganz wichtig ist, sind zum einen Wissenssendungen, also Sendungen, die nicht nur Spaß machen, sondern die auch was vermitteln. Sie hätten gern Dokumentation. Das ist etwas, was so in der Forschung noch gar nicht bekannt war. Aber Eltern wollen wirklich diese Vielfältigkeit, und sie wollen gerne Kindernachrichten. Also es passiert so viel bei uns in der Welt und Kindernachrichten geben ihnen die Möglichkeit, etwas zu erklären, was die Kinder schon etwa mitbekommen haben, ihnen Sicherheit zu geben und dann eben auch positiv und politisch aktiv auf die Welt zuzugehen. Was deutlich wird: Eltern wollen vor allen Dingen ein vielfältiges Programm. Und gerade wenn man sich anguckt, wer bietet das? Dann ist das eben fast ausschließlich der KiKA, der ein breites Portfolio an verschiedensten Sendungen und Formaten hat.

Kinder würden freiwillig nichts angucken, was sie nicht emotional bereichert. Also das kann Spaß machen, das gibt ihnen Wissen, das macht ihnen Freude. Es gibt ihnen einfach ein gutes Gefühl. Und solange Kinder das eben wirklich allein angucken - und das zeigen ja alle Studien, dass gerade KiKA mittlerweile Marktführer ist in dem Bereich - dann zeigt das einfach, dass Kinder auch gerne Vielfalt haben. Und der KiKA hat genau den Auftrag und den erfüllt er auch.

Anne Reichenbach: Ja, Maya Götz hat es ja gerade noch einmal erwähnt. Was ist denn eigentlich der konkrete Wunsch der Eltern? Und diese Vielfalt, die sich Eltern wünschen, das ist genau das Alleinstellungsmerkmal von KiKA. Also wir decken dieses riesige Portfolio genau ab. Wir haben Wissenssendungen, wir haben die Kindernachrichten, wir haben natürlich auch Spaß und Unterhaltung, und wir haben ein reines Medienmagazin. Also auch das Thema Medienkompetenzvermittlung wird bei uns komplett mit bedient. Und das hat tatsächlich kein anderer Sender so im Angebot für die junge Zielgruppe.

Inka Kiwit: „Team Timster“, das gibt es nicht noch einmal so auf dem Kindermedienmarkt.

Anne Reichenbach:
Wir sind halt wirklich die einzigen, die probieren - das ist natürlich immer die Kunst - diese mediale Welt abzubilden. Andere Sendungen streifen das immer mal so, was aber auch gut ist. Redundanz ist wichtig. Also gerade, wenn es um die grundlegenden Einstellungen vom Handy geht, wie mache ich mein Handy sicher oder wie verhalte ich mich im Netz? Welche möglichen Gefahren könnte es da geben? Da bin ich immer sehr dankbar, wenn es die Kolleginnen und Kollegen anderer Wissensformate genauso thematisieren. Und das ist genau aber unser wichtigster Part. Mögliche Gefahren wollen wir einordnen, um halt auch den kritischen Umgang der Kinder mit Medieninhalten zu fördern. Und da noch mal ganz wichtig, der Humor. Wir probieren immer - nicht, Dinge ins Lächerliche zu ziehen, um Gottes willen - aber so mit dem kleinen Augenzwinkern.

Inka Kiwit: Wir bekommen ja oft die Frage gestellt in den letzten Jahren, warum wir als Medienformat nicht bei Insta sind. Warum wir nicht bei TikTok sind. Und ja, wir haben reagiert in den letzten Jahren.

Anne Reichenbach: Absolut genau. Wir haben reagiert, das hatte ich vorher schon mal angedeutet, dass das auch die Entwicklung eigener Formate zur Folge haben kann, wenn Fragen kommen, wenn wir merken, das sind Themen, die sind wichtig. Und dadurch ist ein TikTok Format entstanden, und zwar „f.im.chat“. Und weil das natürlich jetzt nicht per se KiKA-Zielgruppe ist, ist das in Zusammenarbeit mit funk entstanden, weil wir wissen, wo die Kids sind. Und natürlich möchten wir sie dort auch erreichen.

Inka Kiwit: Vielleicht müssen wir einmal ganz kurz beschreiben, was „f.im.chat“ genau ist. Wie würdest du „f.im.chat“ kurz und knackig beschreiben?

Anne Reichenbach: Junge Mediennutzende reagieren auf ihre eigenen Fails im Netz.

Inka Kiwit: Warum der Name „f.im.chat“?

Anne Reichenbach: Bei „f.im.chat“ habe ich auch ein bisschen gebraucht. Das musste mir auch erklärt werden, weil ich im Gaming-Bereich nicht so unterwegs bin. Wenn man ein „f“ in einem Chat postet, zollt man Respekt.

Inka Kiwit: Warum ist denn die Vermittlung von Medienkompetenz gerade auf Plattformen wie TikTok so relevant und so wichtig?

Anne Reichenbach: Das Problem bei den jugendlichen Zielgruppen ist, das ganz oft die Ansprechpartner*innen fehlen. In ihren Eltern sehen sie sie nicht wirklich. In der Peer fehlen einfach die Erfahrung. Und genau deswegen ist „f.im.chat“ bei TikTok, um den Kids zu zeigen, hey, wir sind ansprechbar für euch, wir haben Hosts, die das erlebt haben, und zeigen euch, wie man damit umgehen kann. Und da hat „f.im.chat“ natürlich letztlich genau die gleichen Ziele wie „Tim Timster“ bei den Jüngeren, nur halt mit anderen Problemen. Also es geht auch um kritisches Hinterfragen: Ist denn diese Glitzer-Glitzer-Welt der Influencer*innen tatsächlich die echte Welt, ist das ein erstrebenswertes Ziel? Mein Berufswunsch ist YouTuber oder Influencerin, ist das wirklich das? Und auch das Thema Datenschutz: Welche Spuren hinterlasse ich im Netz? Das sind ja auch die die grundlegenden Sachen, die wir Kindern im jungen Alter auch schon beibringen.

Inka Kiwit: Kommt ja auch aus einer Redaktion, „Team Timster“ und „f.im.chat“. Anne, ganz zum Schluss, hast du einen Wunsch für die Medienkompetenzvermittlung in der Zukunft? Und was wäre der?

Anne Reichenbach: Ich habe da tatsächlich schon sehr lange einen Wunsch. Ich bin ja von Haus aus Medienpädagogin, das heißt, ich war früher an sehr vielen Schulen unterwegs. Und alle Schulen sagen immer, wir brauchen das, wir wollen das. Und dann kommt da jemand hin und macht mal eine Woche ein Projekt. Das reicht nicht! Es reicht einfach nicht, wenn wir unsere Kinder und Jugendlichen medienfit machen wollen, wenn wir sie begleiten wollen auf dem Weg in eine immer mehr digitalisierte Welt. Dann braucht es das Fach Medienkompetenz an den Schulen. Ich finde der Umgang mit medialen Inhalten, sich zurechtfinden im digitalen Raum, das ist mittlerweile genauso wichtig wie Lesen, Schreiben und Mathematik lernen.

Inka Kiwit: Sagt Anna Reichenbach, Medienpädagogin und Redakteurin „Team Timster“ bei KiKA. Ganz lieben Dank für das Gespräch, Anne.

Anne Reichenbach: Bitteschön.

Inka Kiwit: Medienkompetenz also nicht nur als Schlagwort. Ich finde, das ist klar geworden im heutigen Werkstattgespräch. Diese sorgfältige Balance zwischen Unterhaltung und Bildung und das kombiniert mit sicheren Experimentierräumen - das macht KiKA zu einem medienpädagogischen Angebot, das Kindern hilft, zu selbstbestimmten und souveränen Akteur*innen der Medienwelt zu werden. Das in dieser Form, mit dieser angebotenen Vielfalt, so nicht nochmal auf dem Kindermedienmarkt zu finden ist. So viel zu meiner Zusammenfassung dieses Werkstattgesprächs. In unserer nächsten Folge bei „Triff KiKA – Werkstattgespräche“ sprechen wir über das Thema Nachhaltigkeit bei KiKA.

Und wenn sie nicht schon längst in der ARD-Audiothek sind und diese Folge dort hören, dann finden sie uns auch überall dort, wo es Podcasts zu hören gibt. Wenn sie Fragen, Feedback oder Anmerkungen haben, dann schreiben sie uns super gerne einen Kommentar direkt unter diesen Podcast oder auch eine Nachricht über den Kontakt-Button auf unserem KiKA-Kommunikationsportal. Dort finden sie auch alle Transkripte zum Runterladen, unter kommunikation.kika.de. Also bis zum nächsten Mal, machen sie es gut.

[Outro] Triff KiKA - Werkstattgespräche