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Transkript zu Episode 19: „Kinder wollen echte Kinder und echte Geschichten sehen, genau das schafft ‚STORY TIME‘“

„STORY TIME“-Product Owner Rafael Bies spricht mit Inka Kiwit über die neue Doku-Marke. Er erklärt, welche Ziele „STORY TIME“ verfolgt, was Dokumentationen für Preteens besonders macht und wie die senderübergreifende Arbeitsgruppe von KiKA, ARD und ZDF für die digitale Doku-Marke zusammenarbeitet.

Inka Kiwit: Hallo zu einer neuen Folge der „Triff KiKA – Werkstattgespräche“. Heute geht es um die neue Doku-Marke von KiKA, ARD und ZDF. Es geht um echte Geschichten und die Frage, wie erzählt man dokumentarisch so, dass es nahbar bleibt, Orientierung gibt und die Zielgruppe wirklich erreicht. Bei mir ist Rafael Bies, Product Owner der neuen Doku-Marke „STORY TIME“. So heißt sie nämlich. Hallo Rafael, schön, dass du da bist.

Rafael Bies: Hi Inka, ich freu mich.

Inka Kiwit: Rafael, „STORY TIME“, tolle Dokumentationen, die uns erwarten. Bist du privat auch Doku-Gucker oder guckst du eher komplett was anderes?

Rafael Bies: Total, also genauso wie ich eigentlich nur Sachbücher lese, wenn ich überhaupt Bücher lese, so gucke ich eigentlich eher Dokus als fiktionale Filme. Und ich glaube, das kann manchmal mit mir sehr anstrengend sein, weil ich einfach hinterher, also ich gucke mit einem anderen Blick drauf und versuche mir auch abzugucken, was andere daran gut machen.

Inka Kiwit: Privat also auch Doku-Gucker, so wie beruflich. Rafael, nimm uns mal mit rein. Was ist „STORY TIME“? Was steckt hinter dieser neuen Doku-Marke von KiKA?

Rafael Bies: Also „STORY TIME“ ist super viel. „STORY TIME“ ist in erster Linie unser digitales Doku-Format für Kinder ab zehn Jahren. Und Kinder in diesem Alter wollen echte Kinder, echte Geschichten erleben und genau das schaffen wir. Das heißt, wir erzählen möglichst unverstellt, möglichst authentisch, möglichst nah Geschichten von anderen Kindern für Kinder und versuchen, einen Einblick in das Leben von Gesellschaft und von anderen Kindern zu geben. Und diese kleinen und großen Geschichten, das macht „STORY TIME“ aus. „STORY TIME“ ist aber auch noch etwas mehr. Nämlich, wir sind hier ein Gemeinschaftsprodukt von KiKA, dem ZDF und vier verschiedenen ARD-Anstalten, nämlich dem Rundfunk Berlin-Brandenburg, dem Hessischen Rundfunk, Radio Bremen und dem Südwestrundfunk. Und all diese Anstalten kommen zusammen und schaffen ein gemeinsames Doku-Angebot. Das ist ein lange gehegter Wunsch. Wollen wir nicht gemeinsam an einem Strang ziehen? Und vor etwas mehr als einem Jahr hat sich dann mein Kollege Gunnar Gerstel mit den Leuten zusammengesetzt und hat gesagt, wie könnte das konkret gehen, dass wir hier zwei etablierte Doku-Formate, die es bei KiKA gab, also „stark!“ und „Schau in meine Welt!“, die beide auf dem gleichen Sendeplatz waren, beziehungsweise sich den Sendeplatz teilten, wie können wir das so zusammenlegen, dass wir hier ein gebündeltes und wirklich mit Strahlkraft versehenes Doku-Format fürs Digitale entwickeln? Und das ist gelungen und findet jetzt quasi Ende Mai seine Premiere.

Inka Kiwit: Da freuen wir uns drauf und du hast es gesagt, ihr führt hier zwei etablierte Doku-Formate zusammen. „Schau in meine Welt!“ aus der ARD und „stark!“ vom ZDF. Warum geht ihr denn jetzt diesen Schritt, das unter einer gemeinsamen Marke zu bündeln? Was ist der Gedanke dahinter?

Rafael Bies: Also hier kommen zwei Doku-Marken zusammen, die sich nicht grundsätzlich unterschieden haben und jetzt macht man gemeinsame Sache und bündelt diese Kräfte, die beide Häuser haben, gemeinsam. Nicht nur in der Erzählung, in der Themenfindung, sondern auch in der Distribution und im gesamten Miteinander. Und ich glaube, da schafft man einen viel größeren Impact, als wenn beide Formate nebeneinander stehen würden und sich damit auch ein Stück weit kannibalisieren.

Inka Kiwit: Das heißt, ihr arbeitet viel enger im Netzwerk ARD, ZDF und KiKA zusammen?

Rafael Bies: Total.

Inka Kiwit: Wenn man jetzt auf diese Zusammenarbeit guckt, was verändert sich dadurch konkret in der täglichen redaktionellen Arbeit?

Rafael Bies: Also ganz konkret verändert sich natürlich, dass zum Beispiel die ZDF-Kollegin mitten in unserer Runde ist, was ich super cool finde. Also wir haben jetzt eine Runde aus all diesen Partnern, die ich vorhin genannt habe, und das ZDF, die früher „stark!“ produziert haben, ist Teil von uns. Das ist richtig toll. Wir haben aber auch ein ganz anderes Reden über Themen. Also sprich, jetzt, wo alle an einem Tisch sitzen und gemeinsam ein Doku-Format entwickeln, ist natürlich auch das Abstimmen über Themen ganz anderes, weil alle in ein Format reinspeisen. Und was ich auch merke, ich kümmere mich gerade verstärkt um die Distribution, hier funktioniert natürlich das Netzwerk jetzt super. Also in dem Moment, wo alle Häuser an einem Tisch sitzen für ein Format, kannst du aus den einzelnen Häusern natürlich auch noch mal Leute anzapfen, jeder kennt noch mal jemanden und fragt dann einfach, hey, können wir euch bei „STORY TIME“ distributiv-technisch unterstützen? Das finde ich richtig cool.

Inka Kiwit: Lass uns mal über den Namen reden. Der Name „STORY TIME“, der lehnt sich ja ganz bewusst an eine Erzählform an, die viele aus Social Media kennen. Sehr direkt, sehr persönlich. Was unterscheidet denn eure Geschichten von dem, was wir aus den Social Feeds kennen? Außer der Länge.

Rafael Bies: Also ich hätte jetzt gerade gesagt, die Länge. Wir machen ja Dokus, das heißt, wir bewegen uns hier im Bereich von 15 bis 25 Minuten für Kinder. Wir sind nicht so kurz, wie du Story Times im Netz siehst, das ist ein wesentlicher Unterschied und damit haben wir natürlich auch eine viel tiefere Erzählung dem, was wir machen. Wir begleiten ja das Kind nicht nur bei einer Szene, sondern wir sind möglichst, also bei einer Doku sind wir über zwei Jahre bei einem Kind dabei und begleiten das. Und Story Time, wie du das auch aus dem Netz kennst, war für uns der Aufhänger zu sagen, uns ist wichtig, dass Kinder die Geschichte von sich erzählen, dass sie sie selbst erzählen und dass sie sie so erzählen, wie sie sie erzählen wollen. Und das macht „STORY TIME“ aus und deswegen ist der Name natürlich eine Referenz zu dem, was du bei Social Media findest und perspektivisch wollen wir auch dahin kommen, dass wir genau solche Formen der Erzählung stärker mit einbauen in die Dokus.

Inka Kiwit: Wir sagen ja bei uns bei KiKA selbst oft Dokumentation, Dokus, das ist bei KiKA einfach ein echtes Alleinstellungsmerkmal im Kinder-Content-Markt. Mal in deinen Worten, warum ist das Genre Dokumentation so wichtig?

Rafael Bies: Also, ich würde gar nicht sagen, dass das Genre Dokumentation für Kinder wichtig ist, aber für Kinder ist es super wichtig, echte Kinder zu sehen. Das merkst du, also wir gucken ja auch, wonach suchen Kinder, egal ob sie sich jetzt in der KiKA-App bewegen oder ob sie bei Google was eingeben. Wir sind im Gespräch mit Kindern und wir merken, Kinder wollen ab einer bestimmten Altersgrenze echte Kinder sehen, sie wollen gucken, wie leben andere, kann ich mich mit denen vergleichen, gibt es vielleicht ganz andere Perspektiven aufs Leben, ich weiß nicht, ob Kinder diese Frage so stellen würden, aber es geht quasi um dieses Thema, wie kann ich echtes, anderes Leben auch mal sehen und sichtbar machen und genau das schaffen wir mit Doku und das schaffen wir mit „STORY TIME“ und ich glaube, das macht uns auch aus.

Inka Kiwit: Ja, das heißt, ihr nehmt euch ganz bewusst Zeit für die Tiefe und habt die Themen drin, die in Wissensformaten nicht so wirklich Platz haben.

Rafael Bies: Genau, also wenn du den Checker zum Beispiel guckst, ein Klassiker, den wollen ja alle Kinder, denke ich, immer gucken, egal wie jung oder alt du bist. Der Checker vermittelt Wissen und ich kann in die Welt reingucken und ich lerne was darüber. Ich merke das bei meinen eigenen Kindern total, die gucken Checker rauf und runter und manchmal frage ich die dann, hey, was habt ihr gelernt oder was könnt ihr mir davon erzählen? Und nicht immer bleibt was hängen. Weil die Story ja natürlich nicht so persönlich ist und ich glaube, das ist das, was Dokus schaffen. Sie schaffen einen Einblick und eine Fokussierung auf ein Kind mit seiner persönlichen Geschichte. Und ich meine, seit der Steinzeit erzählen sich Menschen Geschichten und es transportiert sich immer weiter und Menschen lernen über Geschichten. Und letztlich ist es das, was wir mit „STORY TIME“ schaffen, dass wir Geschichten von anderen erzählen und damit die Möglichkeit bieten, dass du in ein anderes Leben reinschauen kannst und dass du aber vielleicht auch lernen kannst, hey, es gibt noch neben deinem eigenen Leben tausend andere Möglichkeiten zu leben. Vielleicht manchmal gewollt, vielleicht manchmal nicht gewollt. Und ich glaube, das ist das, was der Schatz von „STORY TIME“ ist.

Inka Kiwit: Ja, also ganz im Sinne von KiKA für alle. Gehört ja auch zu unserem Auftrag.

Rafael Bies: Total. Ja, absolut.

Inka Kiwit: Lass uns mal bei den Geschichten bleiben. Charlotte mit einer Lungentransplantation, Maje mit Assistenzhund oder Edgar aus der Schaustellerfamilie. Da merkt man sofort, das sind diese sehr persönlichen, sehr dichten Lebensrealitäten. Was macht denn für euch eine Geschichte zur „STORY TIME“-Geschichte? Wo sagt ihr, das ist es? Die gehört genau hierhin.

Rafael Bies: Also in erster Linie gucken wir strategisch auch auf Themen. Was sind große Themen, die gerade diskutiert werden in der Gesellschaft, bei den Kindern? Wir holen uns Feedback von Kindern ein und wir schauen dann, wenn wir so unsere Themen vorschlagen, das läuft, wie das auch bei anderen Formaten läuft, du kriegst von außen Themenangebote rein in die Redaktion und dann kommen die auf den Tisch und werden gepitcht und werden angeguckt und geprüft. Und da haben wir uns, das ist auch neu für uns, haben wir uns einen Fragenkatalog gegeben, neun Fragen, die prüfen, ob dieses Thema ein Thema für „STORY TIME“ ist und ein ganz großer Knackpunkt, den wir immer wieder erfragen, ist das Thema Fallhöhe. Also bringt dieses Thema eine Fallhöhe mit, eine Heldenreise, die unsere Protagonistin, unser Protagonist durchmacht, wo wir, wie ich es immer so sage, mit lachen können oder mit leiden können, sodass diese Geschichte nicht einfach so dahin plätschert oder verläuft, sondern du willst als Zuschauer ja dranbleiben und willst irgendwie wissen, wie geht's weiter. Und das können ganz, ganz kleine Geschichten sein, es geht hier nicht um die großen Hollywood-Geschichten, sondern es geht um so simple Fragen, oder was heißt simple Fragen, es geht um so Fragen wie, hey, wenn ich eine transplantierte Lunge habe als Kind, dann ist Campen für mich eine Herausforderung, weil es kann total gefährlich für mich sein. Und für die eine ist das die Herausforderung und für die andere, die ist, also Jule zum Beispiel, ist Skydiving-Weltmeisterin geworden 2025 und wir dokumentieren, wie sie jetzt sich in den nächsten Weltcups schlägt und wie sie mit dem Thema Druck umgeht, die jüngste Weltmeisterin im Indoor-Skydiving zu sein. Und das sind natürlich zwei total unterschiedliche Themenwelten und total unterschiedliche Fallhöhen, aber du kannst als Zuschauer dranbleiben und kannst gucken, wie wächst mein Protagonist auf dieser Reise? Und ist das Thema, was wir hier erzählen, ein Thema, wo unsere Zielgruppe auch ihre Medienzeit opfert? Also auch da müssen wir nochmal darauf eingehen, dass Kinder, wenn sie jetzt, wir senden für eine Zielgruppe 10+, das heißt, das sind Preteens, genau, das ist ein Alter, wo Kinder zum großen Teil noch eine limitierte Medienzeit haben, und da kommen wir jetzt mit einem Format um die Ecke, was eben nicht 10 Minuten geht, sondern was locker auch mal mit 25 Minuten um die Ecke kommen kann. So und da ist natürlich die Frage schon da, opfert ein Kind jetzt seine Medienzeit für genau dieses Thema?

Inka Kiwit: Aber das ist ja spannend. Was müssen denn Geschichten für die Preteens, für die Kinder abziehen können, damit sie andocken, nicht vorbeilaufen, damit sie bleiben?

Rafael Bies: Die Geschichten, die müssen super authentisch und nahbar sein. Du musst das Gefühl haben beim Gucken, das ist ein Freund oder das ist jemand, der könnte in deinem Lebensumfeld auftauchen. Und wenn das nicht der Fall ist, weil das Thema super special ist, dann muss es ein Mikrokosmos bedienen, sage ich jetzt mal so als Wort. Also du musst irgendwie wie durch ein Schlüsselloch in was reingucken, wo du vielleicht sonst keinen Zugang hast. Aber was so spannend ist, dass du sagst, hey, das will ich unbedingt wissen. Zum Beispiel Edgar, der als Schaustellerkind lebt, also der lebt auf dem Rummel, der zieht von Kirmes zu Kirmes, von Rummel zu Rummel mit seiner Familie.

Inka Kiwit: Immer andere Schulen.

Rafael Bies: Immer andere Schulen. Und da hast du natürlich wieder die Anknüpfungspunkte. Du gehst vielleicht als Kind in eine Schule bei dir in der Nachbarschaft und denkst dir dann, ey krass, wie muss das sein, wenn du da im Wohnwagen unterrichtet wirst. Oder Maje, die an Muskelschwund leidet und einen Assistenzhund trainiert, also vom Welpen, der ist natürlich größer geworden. Und dieser Assistenzhund muss es irgendwann leisten, dass Maje Hilfe durch ihn bekommt. Und viele Kinder wollen natürlich ein Haustier, aber dann auch zu sehen, hey, andere brauchen diesen Hund wirklich, damit er ihnen hilft, weil sie es irgendwann nicht mehr selber können. Ich finde das eine großartige Perspektive auf verschiedenes Leben und das ermöglichen wir.

Inka Kiwit: Ja, was sind denn aber Elemente, die ihr im Storytelling hundert Prozent verwendet, so an denen geht nichts vorbei? Hast du da welche für uns?

Rafael Bies: Ja, also was auf alle Fälle sich ändern wird, ist das Storytelling, also wir arbeiten mit der Golden Minute. Das Wichtigste ist, dass du sofort weißt, was ist denn die Herausforderung von beispielsweise Hannes. Also was ist eigentlich das Thema, was Hannes mitbringt, jetzt in diese Doku und was ist vielleicht auch sein Ziel, wo will er hin und damit setzen wir an. Sprich, wir versuchen, auf emotionale O-Töne zu gehen, wir versuchen, relativ schnell eine Bindung aufzubauen, wir versuchen, über nahe Einstellungen zu gehen, auch im Bild, und nicht, wie das vielleicht in anderen Dokus früher so üblich war, mit elegischen, langen Shots über die Landschaft streifst oder die Drohne erstmal eine halbe Minute lang auf die Stadt zufliegst und du das Gefühl hast, ja, wo geht denn jetzt hier diese Reise hin? Das wollen wir verhindern und das ist ein Prozess, das sage ich dir auch ganz ehrlich, nicht jede Doku wird das sofort mitbringen. Und dann habe ich ja erzählt, wir haben Dokus, die bringen eine Länge von 15 bis 25 Minuten mit. Das heißt, du musst auch zwischen Reihen Steps schaffen, wo du als Zuschauer, Zuschauerin dran bleibst und sagst, wie geht's weiter? Weil das ist letztlich das, was doch spannendes Storytelling ausmacht, dass du irgendwie sagst, wie geht diese Geschichte weiter? Ich möchte bis zum Ende dranbleiben, um zu wissen, ob es so ausgeht oder so ausgeht. Manchmal geht es auch gar nicht aus. Manchmal beenden wir auch einfach diesen Abschnitt der Beobachtung, aber haben natürlich kleine Geschichten miterlebt auf dieser Strecke. Zum Beispiel ein Mädchen, was seine Ängste beim Wildwasser-Kajakfahren überwindet. Du wirst natürlich am Ende der Doku nicht, also wird das nicht die Ängste besiegt haben, aber du siehst, ob sie ein Stück weiter gekommen ist auf ihrem Lebensweg.

Inka Kiwit: Schön. Das heißt, ihr arbeitet mit kleinen Cliffhanger und dieser emotionalen Heldenreise.

Rafael Bies: Ja.

Inka Kiwit: Auch mal nur ein kleines Stück des Weges.

Rafael Bies: Genau.

Inka Kiwit: Rafael, „STORY TIME“ ist ja ganz klar als digitale Marke gedacht. Im Web, in der App und in den Mediatheken. Verändert der konkrete Fokus auf das Digitale bei euch eher die Auswahl der Geschichten oder tatsächlich auch die Dramaturgie innerhalb der Doku?

Rafael Bies: Es verändert vor allen Dingen die Dramaturgie in der Doku und es verändert auch die Art und Weise, wann wir Themen setzen und wie wir da überhaupt rangehen. Wir versuchen uns, und das ist auch wirklich ein Prozess, weil hier Menschen zusammenarbeiten, die über Jahre Dokus fürs TV gemacht haben. Und wenn du das machst, dann bist du geprägt von, okay, dann ist der nächste Sendetermin, dann kommt das. Jetzt müssen wir was ganz anderes lernen, wir müssen nämlich lernen, wann macht es am meisten Sinn, diese Doku im Digitalen zu platzieren. Können wir vielleicht auch Dokus aufschieben, ein Stück weit, um sie später zu platzieren? Und können wir auch Dokus in einem Moment, wo es wichtig ist, wieder vorholen? Weil wir wissen, jetzt ist dieses Thema relevant im Netz. Jetzt müssen wir das auf unseren Plattformen vorn haben. Und jetzt müssen wir hier noch mal stärker in die Distribution reingehen. Und diese ganzen Prozesse, die laufen gerade total bei uns ab. Das Fernsehen ist nicht weg für uns. Das sage ich dir auch. Wir verteilen jetzt unsere Dokus nicht einfach blind auf den Sendeplatz, den wir immer noch haben, aber der Fokus für uns als Team ist immer im Digitalen. Sowohl in der Auswahl dieses Themas, also wir gucken, ist das ein Thema im Netz oder wie wird das Thema auch gesucht, welcher Aspekt dieses Themas wird gesucht, was interessiert Leute an diesem Thema und dann eben auch, wann hat das Thema überhaupt Saison, wann sollte man das Distribuieren?

Inka Kiwit: Ja, was ich ja besonders schön finde ist, ihr denkt über einen Rückkanal nach, einen Rückkanal einzubauen, damit Kinder ihre eigenen Geschichten und Themen einreichen können. Finde ich Super! Wie ist denn da der Stand?

Rafael Bies: Der Stand ist der, dass wir mit Launch am 29. Mai dieses partizipative Element anbieten. Sprich, du kannst auf „STORY TIME“ gehen, also kika.de „STORY TIME“, und dann hast du die Möglichkeit als Kind, deine eigene „STORY TIME“ hochzuladen. Das ist in erster Linie erstmal ein Testballon für uns, um zu gucken, machen das Kinder? Haben Kinder Bock, ihre Story Time zu teilen? Das ist ja auch mit gewissen Hürden verbunden. Sprich, ich muss meine Eltern fragen, ich muss mich das überhaupt trauen, was über mich zu erzählen. Und dann sind diese Story Times, die uns erreichen, und da bin ich mir ziemlich sicher, sind natürlich jetzt keine fertigen Filme, sondern das sind Erzählungen, wo uns ein Kind vielleicht in seine Welt mitnimmt, und wir erfahren, hey, was ist denn deine Story Time? Und genau darum geht es uns. Und wenn uns da was anspricht, dann haben wir auch gesagt, hey, warum sollte man da nicht dann auch eine „STORY TIME“ draus machen?

Inka Kiwit: Lass uns mal nach vorne schauen, auch im Zusammenspiel mit ARD und ZDF. Was wünschst du dir für „STORY TIME“, sagen wir mal, in den nächsten zwei Jahren?

Rafael Bies: Also ich wünsche mir natürlich als Product owner, dass „STORY TIME“ ein Format ist, was Kinder gucken. Das ist mir das Allerwichtigste. Doku, da kann man ganz ehrlich sein, ist nicht das allerbeliebteste Format in Kindermedien. Aber es ist ein Format, wo Kinder ihre Zeit widmen, wo man andere Geschichten erzählen kann als in Unterhaltungsformaten, wo wir die Breite von Gesellschaft abbilden. Und das finde ich total wichtig. Und ich wünsche mir, dass dieses Format eins wird, wo Leute sagen, cool, ihr erzählt Dokus so, dass ich sie auch gucke und dass ich dranbleibe. Das ist mein Hauptziel. Und dann haben wir diese besondere Kombination aus ARD-Anstalten, KiKA und dem ZDF. Und das ist, finde ich, eine einmalige Chance. Um hier zusammenzukommen, gemeinsame Workflows zu erarbeiten, ist übrigens auch eines unserer größten Ziele im Moment, dass wir gemeinsam als Team zusammenkommen, gemeinsame Workflows entwickeln und an bestimmten Stellen auch Schranken oder Hürden abbauen, die vielleicht noch existieren, eben weil wir sagen, es zählt jetzt hier nicht mehr, ob wir KiKA, ARD oder ZDF sind, sondern wir sind ein Format und als dieses eine treten wir auch auf. Und wenn uns das gelingt, dann haben wir, glaube ich, schon extrem viel erreicht und dann bin ich schon mega happy, weil wir damit hoffentlich auch für andere Produktionen den Weg ebnen.

Inka Kiwit: Sagt Rafael Bies, Product Owner der neuen Doku-Marke „STORY TIME“. Vielen Dank für das gute Gespräch, Rafael.

Rafael Bies: Danke.

Inka Kiwit: Wenn Sie noch mehr über unsere Formate erfahren möchten, hören Sie gerne in weitere Folgen der „Triff KiKA – Werkstattgespräche“ rein, bei ARD Sounds oder überall dort, wo es Podcasts zu hören gibt. Haben Sie Fragen, Feedback oder Themenideen? Schreiben Sie uns, wir freuen uns auf Ihre Nachrichten. Oder Sie besuchen uns auf unserem KiKA-Kommunikationsportal unter kommunikation.kika.de. Da gibt's auch alle Transkripte der Folgen zum Nachlesen. Also, bis zur nächsten Folge. Machen Sie es gut.

Zuletzt geändert am [ 01.06.2026 ]