23. Oktober 2026
Jürgen Klopp: „Wenn’s nach mir geht, zwei Stunden Sport am Tag!“
KiKA-Kinder-Kommentator Charlie (14) interviewt Bundestrainer
KiKA-Kinder-Kommentator Charlie (14) aus Leipzig hat Bundestrainer Jürgen Klopp für ein exklusives Interview getroffen. Anlass für das Treffen war die 100. Auflage des DFB-Formats ‚Der beste Tag‘ am 21. Oktober 2026 am DFB-Campus in Frankfurt am Main, bei der Klopp gemeinsam mit DFB-Direktor Hannes Wolf zwei Nachwuchsteams trainierte. Das vollständige Interview ist auf kika.de und in der KiKA-App zu sehen.
Die von Charlie vorbereiteten Interviewfragen stellen Sport und Bewegung für Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt. Charlie möchte vom Bundestrainer wissen, wie der Sportunterricht unter ihm aussehen würde, warum Sport für Kinder so wichtig ist und was er geworden wäre, wenn es mit dem Fußball nicht geklappt hätte. Zu guter Letzt gibt Klopp Charlie Tipps für seine nächsten Trainingseinheiten.
Rückblick KiKA Sport 2026
Gemeinsam mit ARD-Sportschau und ZDF-sportstudio hat KiKA 2026 sein Sport-Angebot deutlich ausgebaut: Von den Olympischen Winterspielen über die DFB-Pokalfinale und die Fußball-WM bis zur Tour de France und der Deutschland Tour erhielten Kinder auf kika.de und in der KiKA-App einen altersgerechten Zugang zu Sportgroßereignissen. Im Mittelpunkt stand dabei die Teilhabe: Über Video-Fragen, Chats, Tippspiele und Mitmach-Aktionen konnten Kinder Sport nicht nur verfolgen, sondern die Berichterstattung mitgestalten. Im „Mach mit!”-Bereich auf kika.de gehörte KiKA mit den „logo!”-Kindernachrichten zu den ersten Pilotprojekten des Public Spaces Incubators.
Mit Cleo, Charlie, Niklas und Mia sorgten Kinder-Kommentator*innen an der Seite von Profis für besondere Live-Momente und eröffneten neue Perspektiven auf Sportgroßereignisse, für Kinder wie für Erwachsene. Das öffentlich-rechtliche Netzwerk ermöglichte es dabei, die Kinder-Kommentare auch live im Ersten oder in den Mediatheken von ARD und ZDF zu verfolgen.
Charlie: Wie könnte ich mir den Sportunterricht unter Ihnen vorstellen – vor allen Dingen, wenn es kein Fußball wäre?
Jürgen Klopp: Interessant, weil ich habe tatsächlich mal so ein bisschen als Sportlehrer gearbeitet.
Ich habe ja mal früher Sport studiert. Ist lange, lange her. Aber trotzdem habe ich es gemacht. Und wir mussten dann so eine Art Praktikum machen. Ich war in einer Gehörlosenschule, also für Kinder, die nichts hören und habe Sportunterricht gemacht. Und da haben wir alles gemacht, außer Fußball gespielt.
Also wir haben alles rausgeholt, was im Geräteschrank war: Alle Matten rausgeholt, alle Hindernisse, alle Böcke, alle Kästen und haben eine ganz, ganz wilde Sportveranstaltung draus gemacht. Meine Idee war, dass jeder einfach so viel Spaß wie irgendwie möglich haben sollte. Ich habe die Kinder nachher nicht mehr gefragt, wie viel Spaß sie hatten, aber ich hatte eine ganze Menge.
Charlie: Was war denn Ihr Lieblingsfach neben Sport?
Jürgen Klopp: Also jetzt muss ich erstmal überlegen. Mein Lieblingsfach außer Sport? Ich bin sehr gerne in die Schule gegangen. Ich bin jeden Tag wirklich gerne hingegangen. Und wie so oft im Leben macht man das gerne, was man ein bisschen besser kann. Und Sprachen waren mir näher als, Mathematik, Physik oder Chemie. Deshalb Englisch, Französisch, das habe ich ganz gerne gemacht.
Charlie: Ich auch.
Jürgen Klopp: Ja, du auch? Ja, siehst du. Ich hab mir schon gedacht, als ich dich dribbeln gesehen habe: Er ist wie ich. Wow. *Lacht*
Charlie: Warum finden Sie für Kinder Sport so wichtig?
Jürgen Klopp: Wahnsinnig wichtig! Jetzt erzähle ich aus einer alten Zeit und das ist immer ein bisschen doof, wenn man jungen Leuten davon erzählt, wie es früher war. Aber auch wenn man sich das heute nicht mehr vorstellen kann, ich war auch mal ein Kind. Und als das so war, hatten wir jeden Tag die Gelegenheit, uns ganz, ganz viel zu bewegen.
Weil, jetzt kommt's, wir hatten keine Handys, wir hatten keine Computerspiele und so weiter. Wir hatten ganz viele Dinge nicht. Und das klingt jetzt so, als wäre es eine ganz schreckliche Zeit gewesen. War es aber gar nicht, weil wir uns so viel bewegt haben. Heute ist das Leben ein bisschen anders. Macht nichts, ist auch gut. Aber jetzt müssen wir das mit der Bewegung wieder hinkriegen, weil das braucht jeder Körper. Und deshalb sind wir alle hier ganz große Verfechter davon, dass wir einfach viel mehr Sport in der Schule anbieten müssen. Mindestens eine Stunde am Tag. Wenn's nach mir geht, zwei Stunden am Tag. Und da ist es schön, wenn's Fußball ist, aber es ist noch viel wichtiger, dass es überhaupt Bewegung ist. Und jeder Muskel muss trainiert werden, um zu wachsen. Der hier oben, aber der auch und der in den Beinen auch. Also müssen wir die Gelegenheit geben, zu wachsen und viel trainieren.
Charlie: Viele Kinder haben ja heutzutage schon einen Berufswunsch. Meiner ist Fußballkommentator. Was wären Sie denn geworden, wenn es mit dem Fußball nicht geklappt hätte?
Jürgen Klopp: Na ja, ob ich das geworden wäre, das ist noch mal eine andere Frage, aber ich wollte Arzt werden. Jetzt habe ich praktisch Fußballer operiert über die letzten fünfundzwanzig Jahre aber ja, auf eine andere Art.
Nein, ich bin froh, dass es mit Fußball geklappt hat. Ist gut für alle Patienten, für meine möglichen Patienten, die ich gehabt hätte und deswegen passt schon. Aber kann ich mir vorstellen.
Kommentator, Moderator, das ist ja nicht so festgelegt. Egal, Hauptsache Mikrofon in der Hand und Fußball, ja?
Charlie: Ja genau.
Jürgen Klopp: *lacht* Sehr gut.
Charlie: Ich spiele in meinem Verein auf dem rechten Flügel. Worauf haben Sie denn bei den Fußballern in Ihrem Kader auf meiner Position besonders geachtet?
Jürgen Klopp: Am Flügelspiel ist einfach: Das sind die, wenn man so will, die Spielmacher des heutigen Fußballs. Früher waren es die, die einfach gedribbelt haben und an den Leuten vorbeigelaufen sind. Jetzt sind es die, wo das Spiel noch mal ganz kurz den Rhythmus verändern könnte. Anhalten, schnell machen. Und wenn man anhält, macht man das nicht, um eine Pause zu haben, sondern man gibt den Mitspielern die Möglichkeit, im Strafraum anzukommen, weil da wollen wir ja alle hin und wollen den Ball reinschießen.
Also dementsprechend ist es eine wahnsinnig wichtige Position und eine, die mir persönlich viel Spaß gemacht hätte. Durfte ich nur nie spielen. Dass du das spielen kannst, ist schon mal gut. Und ja, fleißig trainieren.
Und hast du einen schwachen Fuß? Ja, links wäre es nicht so gut. Ja, siehst du.
Wenn du nicht gerade ein Mikro in der Hand hast und nicht gerade mit dem rechten Fuß unterwegs bist, dann arbeite an deinem linken Fuß. Das ist ein guter Tipp von mir: Beidfüßigkeit wäre großartig.
Charlie: Mache ich.
Jürgen Klopp: Gut.
Charlie: Danke für den Tipp. Das war's auch schon wieder.
Jürgen Klopp: Mama, hast du gehört? Macht er. Nicht vergessen. Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Danke euch.
Zuletzt geändert am [ 23.10.2026 ]